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Tag der Pflege: „Es gibt keinen sinnvolleren Beruf“

Zwei Pflegende der St. Vincenz Corona-Station ziehen Bilanz

Am 12. Mai feiern Pflegende traditionell den „Tag der Pflege“ – für Jessica Pude und Jasmin Koterba aus dem Paderborner St. Vincenz-Krankenhaus in diesem Jahr ein Anlass um auf die vergangenen Monate zurückzublicken: Ihre Ausbildung absolvierten die beiden Pflegefachkräfte vor 10 Jahren in der Krankenpflegeschule der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH. Heute sind sie Gesundheits- und Krankenpflegerinnen auf der Station F2 − seit Beginn der Pandemie die Isolier-Station für Covid-Patienten. 

Jessica Pude und Jasmin Koterba, Schichtleiterinnen der Station F2.

„Seit Beginn der Pandemie hat sich der Arbeitsalltag für uns komplett geändert. Wir haben andere Schwerpunkte als zuvor: Wir überwachen die Patienten kontinuierlich über Monitore und steuern die Sauerstoffzufuhr. Wir senken das Fieber und reagieren auf die Symptome. Das Tückische ist, dass sich der Gesundheitszustand der Corona-Erkrankten innerhalb kürzester Zeit ändern kann. Daher sind wir immer in einer Art Alarmbereitschaft“, erklärt Jessica Pude. Allein in diesem Jahr wurden bis Ende April rund 170 Corona-Patienten im St. Vincenz-Krankenhaus versorgt. Trotz häufig geringer Inzidenzzahlen in der Region war die Isolier-Station mit durchschnittlich 20 Patienten die meiste Zeit voll belegt. Während das Team im letzten Jahr eher Hochbetagte behandelte, sind die Corona-Kranken nun deutlich jünger. Auch 30-Jährige und Schwangere sind darunter gewesen.

Das Team erinnert sich noch gut an die Zeit im Frühjahr 2020: Die Arbeitsbelastung und der psychische Druck waren enorm hoch. Fast stündlich gab es neue Informationen und stellte das Stations-Team immer wieder vor neue Herausforderungen. Hinzu kamen Unsicherheiten, welches Ausmaß die Infektionswelle annehmen würde. Im Krankenhaus wurden Stationen zusammengelegt und Mitarbeiter neu geschult – all das war neben der Versorgung der Patienten eine zusätzliche Belastung für die Teams. Zwar gäbe es immer noch keine Entwarnung, allerdings habe sich mittlerweile eine gewisse Routine eingestellt: „Durch zusätzliche Kollegen haben wir nun etwas mehr Luft und können uns mehr Zeit für die Patienten nehmen. Das tut auch uns sehr gut“, erzählt Jasmin Koterba. „Die Patienten sind sehr aufgeklärt, entwickeln aber gleichzeitig auch große Ängste. Daher ist es wichtig, ihnen unsere Routinen zu erklären. Sie nehmen schnell wahr, dass wir sehr viel Fachwissen haben und so können wir viele Sorgen nehmen. Auch die Angehörigen sind deutlich ruhiger als noch vor einem Jahr und legen großes Vertrauen in uns.“

Wenn man aus der Pandemie etwas Gutes ziehen müsse, dann sei das der enorm gesteigerte Zusammenhalt aller Mitarbeiter: „Wir haben durchweg alle an einem Strang gezogen.“ Grundsätzlich wünschen sich die beiden, dass die Arbeit der Pflegenden noch weiter in den Fokus gerückt wird − ein kurzer Applaus reicht dafür nicht aus. „Menschen, die das Virus immer noch nicht ernst nehmen, keine Masken tragen und sich nicht an die Hygieneregeln halten, machen uns mehr als wütend.“

Ein Wunsch ist bei den Pflege-Teams in den vergangenen Monaten noch größer geworden: Bessere Rahmenbedingungen und mehr Nachwuchs für die Pflege. Jessica Pude und Jasmin Koterba sind sich einig: Ohne qualifizierte Mitarbeiter würde das Gesundheitssystem zusammenbrechen. „Es ist sehr schade, dass der Pflegeberuf in der Öffentlichkeit oft sehr einseitig dargestellt wird. Für mich gibt es keinen sinnvolleren Beruf. Ich gehe zur Arbeit und tue den ganzen Tag etwas Gutes. Jeder war schon einmal in einer Situation, in der fremde Hilfe nötig war. Was wäre, wenn niemand mehr da wäre?“