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Wissenschaftliche Auszeichnung für die Frauenklinik St. Louise

Genexpressionstests präzisieren Chemotherapie-Notwendigkeit

Prof. Dr. Michael Patrick Lux, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise, erhielt von der „Internationalen Gesellschaft für Pharmakoökonomie und Ergebnisforschung“ eine Auszeichnung für eine seiner wissenschaftlichen Arbeiten. Anhand aktueller Studien untersuchte er, inwieweit spezielle Genexpressionstests bei Patientinnen mit Brustkrebs unnötige Chemotherapien vermeiden können und welche Auswirkungen die Tests auf die Versorgungssituation in Deutschland haben. Unter mehr als 1.900 Beiträgen fiel die Arbeit von Prof. Dr. Lux besonders positiv auf.

Prof. Dr. Michael Patrick Lux, MBA, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Frauen- und Kinderklinik St. Louise.

„Durch den sogenannten Genexpressionstest können wir nun bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium sehr präzise bestimmen, ob sie von einer Chemotherapie profitieren werden oder nicht. Wir können ableiten, ob sie genetisch bedingt ein höheres Risiko haben, wiederkehrend an Krebs zu erkranken und wie umfangreich therapiert werden muss. Bisher mussten wir uns für die Prognosen auf die Tumorgröße, das Alter und die Zahl der befallenen Lymphknoten sowie ein spezielles Grading verlassen“, erklärt der Chefarzt. Bei vielen Brustkrebspatientinnen wurde in der Vergangenheit „prophylaktisch“ eine Chemotherapie angeordnet – Übertherapien mit entsprechenden Nebenwirkungen waren die Folge. Studien und Beobachtungen aus der klinischen Praxis zeigten, dass bei 20 bis 40 Prozent der Patientinnen mit frühem Brustkrebs eine Chemotherapie unnötig sei. „Auf der anderen Seite filtert der Test aber auch Patientinnen heraus, bei denen wir zunächst dachten, eine Chemotherapie sei nicht notwendig, der Test dann aber auf ein hohes genetisches Risiko hindeutete – der Test ist daher ein echter Meilenstein“.

Für die Krebspatientinnen bedeutet eine „Chemo“ eine langwierige und anstrengende Behandlung. Häufig wird ihre Lebensqualität immens beeinträchtigt. Auch können viele Frauen für eine lange Zeit ihren Beruf nicht ausüben. „Wenn nötig, ist eine Chemotherapie ein wertvoller Bestand-teil einer Krebstherapie. Doch wenn sie mit nachgewiesener Sicherheit verzichtbar ist, ist das für die Patientinnen ein Segen“, so Lux. Auch aus Sicht der Gesundheitsökonomie sei der Verzicht auf eine „prophylaktische“ Chemo ein Vorteil: In seiner Präsentation des Beitrages erstellte der Krebs-experte Kosten-Nutzen-Analysen der Genexpressionstests. „Eine Chemotherapie beläuft sich auf ca. 12.000 Euro, der Test kostet lediglich 3.000 Euro − er ist damit nicht nur für die Krebspatientinnen, sondern auch für die Wirtschaftlichkeit ein Volltreffer. Doch erst seit dem vergangenen Jahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten hierfür.“ Um aber auch die Tragweite einer Chemotherapie darzustellen, hat er detailliert weitere Kosten berechnet, um auch die Langzeitfolgen für die Patientinnen eindrucksvoll zu unterstreichen. „Manchmal verstehen die Entscheidungsträger im Gesundheitswesen die Folgen einer Chemotherapie besser, wenn man sie in Kosten ausdrückt“, so Prof. Dr. Lux. „Wenn man zudem die Kosten der Therapie von Langzeitnebenwirkungen, Arbeitsausfall, ggf. früherer Ruhestand und weitere Kosten berücksichtigt, kommt man auf über 80.000 €. Dieses kann bei einer unnötigen Chemotherapie als Übertherapie eingespart werden.“ 

Hintergrund: Was ist ein Genexpressionstest?

Mit Hilfe des Genexpressionstests lassen sich Aussagen über das Rückfallrisiko bei Patientinnen mit Brustkrebs treffen. Der Biomarker-Test analysiert aus entnommenem Gewebe die Aktivität spezieller Krebsgene, die im Zusammenhang mit dem Tumorwachstum, der Tumorzellen im Gewebe und der Ausbildung des HER2-Proteins stehen. Die Tests helfen bei der Entscheidung der wichtigen Frage, ob eine Chemotherapie im Anschluss an die Operation sinnvoll ist.